Comics fördern bei Kindern zwischen 4 und 12 Jahren nachweislich Lesekompetenz, Empathie und visuelles Denken. Sie senken die Hemmschwelle zum Lesen und sind laut Stiftung Lesen besonders wertvoll für Kinder mit Leseschwäche. Comics und „richtige" Bücher schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich.

Comics fördern bei Kindern zwischen 4 und 12 Jahren nachweislich Lesekompetenz, Empathie und visuelles Denken. Sie senken die Hemmschwelle zum Lesen und sind laut Stiftung Lesen besonders wertvoll für Kinder mit Leseschwäche. Comics und „richtige" Bücher schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich.
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als mein Sohn zum ersten Mal einen unserer Surfer Dudes-Strips in der Hand hielt – und anfing, laut vorzulesen. Nicht weil er musste. Sondern weil er wollte. Wer Kinder kennt, weiß: Das ist keine Kleinigkeit.
Comics haben bei vielen Eltern immer noch einen zweifelhaften Ruf. Zu bunt. Zu wenig Text. „Richtige Bücher" sind das nicht. Aber diese Einschätzung ist falsch – und das sagen nicht nur überzeugte Comic-Eltern wie ich, sondern auch Leseforscher, Pädagogen und Grundschullehrerinnen.
Dieser Artikel zeigt, warum Comics eines der unterschätzten Lernmittel für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren sind.
Viele Kinder tun sich schwer mit dem Lesen – nicht weil sie es nicht können, sondern weil eine vollgeschriebene Seite einschüchternd wirkt. Comics brechen dieses Problem auf elegante Weise: Kurze Sprechblasen, klare Panels, und Bilder, die die Handlung mittragen, machen den Einstieg leicht.
Gerade Kinder mit wenig Leseübung profitieren besonders: Die kürzeren Textabschnitte sind besser verständlich, und die Kombination aus Bild und Text regt zum Lesen an. Kinder, die noch unsichere Leser sind, können den Inhalt teilweise aus den Bildern erschließen. Das gibt ihnen Sicherheit – und den Mut, auch den Text zu lesen. Stiftung Lesen
Studien der Universität Leipzig belegen, dass Comics das „multimodale Lesen" fördern – also die Fähigkeit, Text, Bild und Emotionen gemeinsam zu deuten. Comics sind also kein „leichter Stoff", sondern ein pädagogisch wertvolles Lesemedium. ComicNinjas
Kurz gesagt: Comics sind kein Ersatz fürs Lesen – sie sind oft der Einstieg dazu.
Das klingt kontraintuitiv, stimmt aber: Kinder, die Comics lesen, trainieren aktiv ihre Lesekompetenz. Comics haben erwiesenermaßen ein hohes Potenzial zur Aktivierung von Kindern. Allein schon der Humor, den gerade Kinder-Comics besitzen, motiviert sie nachhaltig zum Lesen. Für Kinder mit einer Leseschwäche gilt dies umso mehr – sie erleben das Lesen als abwechslungsreicher und weniger mühevoll, weil die Bilder wie ein visueller Anker für das Leseerlebnis wirken. Ass-lz
Beim Lesen eines Comics muss das Kind aktiv mitdenken:
Das weitverbreitete Vorurteil, Comics würden Kinder für das Lesen von Prosa „verbilden", konnte übrigens in keiner Studie bestätigt werden. Die Erfahrung zeigt vielmehr, dass begeisterte Comicleser später auch mit komplexen Prosatexten weniger Probleme haben. Ass-lz
Wir leben in einer Welt voller visueller Kommunikation: Icons, Infografiken, Emojis, Videos, Präsentationen. Die Fähigkeit, Bilder zu „lesen" und zu interpretieren, ist heute genauso wichtig wie das Lesen von Texten.
Die Vielfalt an Sprachformen ist in Comics extrem hoch. Erzählungen werden nicht nur in den Sprechblasen umgesetzt, sondern auch an anderen Stellen der Seiten – Comics haben einen innovativen Umgang mit Sprache, zum Beispiel durch den kreativen Einsatz von Typografie. ORF
Comics trainieren dabei auch visuelle Kompetenz: Kinder lernen, wie Perspektive und Farben Stimmung transportieren, und wie Erzählstrukturen funktionieren – Anfang, Wendung, Auflösung. Das ist visuelle Intelligenz, spielerisch geübt.
Das ist der Punkt, der mir persönlich am meisten bedeutet.
Ob ein Kind gerne lesen lernt, hängt zu einem großen Teil davon ab, ob es Spaß und Interesse an dem hat, was es zu lesen bekommt. Ein Kind, das freiwillig und gerne liest – egal was – wird auf Dauer ein besserer Leser als ein Kind, das täglich zum Vorlesen gezwungen wird. ORF
Laut einer YouGov-Befragung lesen mehr als 22 Prozent der Kinder am liebsten Comics. Und knapp ein Fünftel der befragten Eltern und Großeltern ist der Meinung, dass Comics eine gute Gewohnheit sind und die Liebe zum Lesen wecken. Cision
Auch die Stiftung Lesen hat Comics inzwischen fest in ihre Leseförderung integriert: Comics und Graphic Novels eignen sich, um Kindern und Jugendlichen den Spaß am Lesen näherzubringen und so ihre Lesekompetenz zu steigern. Stiftung Lesen
Bei unserem Projekt, den Surfer Dudes, haben wir genau das im Blick: Wir wollen Kinder nicht belehren, sondern begeistern. Ein Kind, das lacht, wenn Maddog beim Surfen wieder mal auf die Nase fällt – das liest. Und das ist der erste Schritt zu allem anderen.
Figuren in Comics sind ausdrucksstark. Freude, Wut, Enttäuschung, Mut – alles wird gezeichnet und sichtbar gemacht. Kinder lernen spielerisch, Gefühle zu erkennen und zu benennen.
Jedes Comicpanel verbindet Wort, Bild und Gefühl. Kinder erleben Geschichten, die sie sehen, hören und fühlen können – das macht Comics einzigartig und fördert Sprachverständnis durch Emotion. ComicNinjas
Psychologen sprechen von „Theory of Mind" – der Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Diese Fähigkeit umfasst das Verstehen von Gedanken, Gefühlen, Absichten und Beweggründen anderer Menschen. Comics fördern genau das, weil sie Figuren mit inneren Zuständen zeigen, die das Kind aktiv entschlüsseln muss. Wikipedia
Die größte Sorge vieler Eltern: „Wenn mein Kind nur Comics liest, liest es nie richtige Bücher."
Art Spiegelman, Pulitzer-Preisträger und Autor von „Maus", bringt es auf den Punkt: „Comics are a gateway drug to literacy." Für Kinder mit Leseschwäche sind Comics womöglich der beste Einstieg in die Welt der Literatur. Wirlesen
Experten plädieren deshalb dafür, einzelne Medien nicht in Konkurrenz zu stellen – denn damit verstellt man Kindern Wege zur Literatur. Kein Comic-Befürworter aus der Forschung würde sagen, dass man ausschließlich Comics lesen soll. Aber das Gegenteil gilt genauso. ORF
Es gibt keinen Grund, Comics gegen „richtige" Bücher auszuspielen. Beides hat seinen Platz. Beides fördert.
Ab 4 Jahren: Bilderbuch-Comics ohne oder mit sehr wenig Text, gemeinsam anschauen und die Handlung erzählen lassen.
Ab 6 Jahren: Einfache Comics mit kurzen Sprechblasen, die das Kind selbst lesen kann. Hier lohnt sich bewusstes Auswählen: Was interessiert das Kind? Tiere, Sport, Abenteuer, Witz?
Ab 8 Jahren: Anspruchsvollere Geschichten mit Handlungsbögen über mehrere Seiten. Hier entstehen oft die ersten echten „Leselieblinge".
Gemeinsam lesen: Comics eignen sich wunderbar zum Vorlesen zu zweit – Rollen verteilen, verschiedene Stimmen ausprobieren, über die Bilder sprechen.
Den Kindern die Wahl lassen: Ist die Lesemotivation erst gefunden und der Lieblingslesestoff gewählt, sollte die Umgebung so gewählt sein, dass sich Kinder so leicht wie möglich konzentrieren können – gemütlich, ohne Störfaktoren, mit gutem Licht. Stiftung Lesen
Die Frage ist nicht „Comics oder Bücher?" Die Frage ist: „Was bringt mein Kind dazu, gerne zu lesen?"
Wenn es ein Comic ist – wunderbar. Wenn es dabei lacht, mitfiebert, fragt „und was passiert dann?" – dann passiert genau das, was Lesen so wertvoll macht: Es öffnet eine Tür in eine andere Welt.
Mein Sohn und ich haben die Surfer Dudes nicht erfunden, weil wir Pädagogen sind. Wir haben sie erfunden, weil wir gemeinsam Spaß hatten, Geschichten zu erzählen. Dass das am Ende auch noch fürs Lesen gut ist – das ist der schönste Nebeneffekt.
Quellen: Universität Leipzig (multimodales Lesen) · Stiftung Lesen · ASS Lerntherapiezentrum · wirlesen.org · YouGov/Readly-Studie 2023 · ORF.at / STUBE (Peter Rinnerthaler, Germanist) · Wikipedia: Theory of Mind
Surfer Dudes Band 1 ist jetzt erhältlich – ein Comic für Kinder ab 6 Jahren, gezeichnet von einem Papa und seinem Sohn aus Köln.