Wer nach Surf-Comics sucht, merkt schnell: Das Genre ist überschaubar. Kein Wunder – Surfen ist eine Subkultur mit eigenen Regeln, eigenem Humor und einer sehr speziellen Energie. Das lässt sich nicht einfach in Panels pressen. Wer es trotzdem versucht hat, hat meistens etwas Besonderes geschaffen.
Hier sind die besten Surf-Comics aller Zeiten (aus unserer Recherche) – und ganz am Ende auch noch einer aus Köln.
1. Rick Griffin & Murphy – der Ursprung des Surf-Comics
Murphy wurde 1961 von Rick Griffin erschaffen, damals gerade 16 Jahre alt. John Severson, Gründer des Surfer Magazine, erkannte das Talent des Teenagers und überredete ihn, einen Strip für sein neues Magazin zu zeichnen. Murphy — ein kleiner, blonder, ewig begeisterter Surfer — debütierte in der dritten Ausgabe des Surfer Magazine und wurde sofort zum Kult. Surf-Journalist Steve Barilotti beschrieb ihn als "den archetypischen Everysurfer, ein dickbäuchiger kleiner Grom und ein sofortiger Hit in der Surf-Welt."
Insgesamt erschienen 28 Murphy-Strips im Surfer Magazine — dazu 11 Episoden der Griffin-Stoner Adventures, in denen Griffin und Fotograf Ron Stoner als Hauptfiguren auftraten. Und Murphy war nie statisch: Der Charakter entwickelte sich parallel zur Surfkultur und zu Griffin selbst — vom braven Gremmie der frühen 60er bis hin zu psychedelischen, tiefgründigen Strips, die den Zeitgeist des Haight-Ashbury-San Francisco widerspiegelten.
Griffins Einfluss auf die Surf-Szene lässt sich kaum überschätzen. Murphy wurde von vielen als inoffizielles Maskottchen der kalifornischen Surfkultur adoptiert. Sein Stil — expressiv, verspielt, immer am Rand zum Surrealen — hat eine ganze Generation von Surf-Illustratoren geprägt. Und wer sich die T&C-Charaktere von Steve Nazar oder die Energie von Wilbur Kookmeyer anschaut, sieht Griffins DNA überall.
Rick Griffin starb 1991 bei einem Motorradunfall in Nordkalifornien. Sein Werk lebt weiter — auf rickgriffindesigns.com gepflegt von seiner Familie.
2. Wilbur Kookmeyer – der Urvater des Surf-Comics
Der trottelige, übermotivierte Anfängersurfer wurde 1985 vom kalifornischen Zeichner Bob Penuelas für das Surfer Magazine erschaffen – zunächst als Nebenfigur in seinem Strip "Maynard and the Rat". Schon ein Jahr später hatte Wilbur seinen eigenen Strip und einen Kultstatus, den kaum jemand vorhergesehen hatte.
Zwanzig Jahre lang erschien Wilbur Kookmeyer als zweiseitiger Strip im Surfer Magazine – bis 2006, als Penuelas entschied, dass es Zeit war, Wilbur in den Sonnenuntergang paddeln zu lassen. 74 Episoden, eine Generation von Surfern, die sich in diesem tollpatschigen Verlierer wiederfanden, der niemals aufgibt.
Das Geheimnis seiner Wirkung: Penuelas schöpfte seinen Stoff direkt aus der Surfkultur, die er selbst in- und auswendig kannte – und sein Talent, die bekannten Typen und Situationen zu karikieren, war der Motor hinter dem Erfolg.
Wer Wilbur Kookmeyer kennenlernen möchte: Die bekanntesten Strips sind online zu finden, ein Collector's Edition Sammelband fasst die 48 besten Episoden zusammen.
(Quelle: clubofthewaves.com / Encyclopedia of Surfing)
3. Surftoons – das Comic-Magazin der 60er
Weniger bekannt, aber historisch interessant: Surftoons war ein Comic-Magazin von Petersen Publishing, das von 1965 bis 1969 erschien – im Stil des Mad Magazine, mit Comics, Cartoons und Humor rund um die Surfwelt. Schwarz-weiß, 48 Seiten, und ein direktes Abbild der Surfkultur jener Zeit. Heute ein Sammlerstück.
(Quelle: mycomicshop.com)
3. Silver Surfer – das kosmischste Brett aller Zeiten
Kein echter Surf-Comic im klassischen Sinne – aber er darf hier nicht fehlen. Die Figur des Silver Surfer wurde 1966 von Jack Kirby und Stan Lee eingeführt, ursprünglich als Herold des Weltenessers Galactus in den Fantastic Four. Ein kosmischer Ausgestoßener auf einem silbernen Surfboard, der das Universum bereist und über die Menschheit nachdenkt.
Die erste eigene Serie erschien 1968, geschrieben von Stan Lee und gezeichnet von John Buscema – und sie wurde zu einem der nachdenklichsten, philosophischsten Comics, die Marvel je veröffentlicht hat.
Für jeden Marvel-Fan, der sich auch für Surf-Kultur interessiert, ist der Silver Surfer Pflichtlektüre.
(Quelle: Britannica, Wikipedia)
4. Steve Nazar & "Da Boys" – T&C Surf Designs
Streng genommen kein Comic, aber so nah dran wie es nur geht: die Charakterillustrationen von Steve Nazar für das hawaiianische Surf-Label Town & Country Surf Designs — kurz T&C.
Ab 1984 erschuf Nazar für T&C eine ganze Inselwelt voller verrückter Surf-Charaktere. Inspiriert von Mad Magazine, DC und Marvel Comics entwickelte er eine Crew, die er "Da Boys" nannte. Angeführt von Thrilla Gorilla — einem Gorilla, der auf dem legendären hawaiianischen Surfer Dane Kealoha basierte — bestand die Crew aus Zombies, Tikis und Höhlenmenschen mit Neon-Surfboards und Ray-Ban-Sonnenbrillen.
Die Designs landeten auf T-Shirts, die in den 80ern für viele Groms der erste Kontakt mit Surf-Fashion überhaupt waren. Ende der 80er verschwanden die Charaktere abrupt vom Label — aus geschäftlichen Gründen, die Nazar selbst nie vollständig erklärt wurden.
Was Nazar so besonders macht — und warum er für uns bei Surfer Dudes eine echte Inspiration ist: Er schuf mit seinen Gorillas, Zombies, Tikis und Höhlenmenschen ganz alleine eine Ästhetik, die wie kein anderes Artwork die Surf-Kultur der 80er verkörperte.
Steve Nazar ist im März 2025 gestorben. Seine Arbeiten leben weiter — und wer sich anschaut, was er damals erschaffen hat, versteht sofort, warum der Surfer-T-Shirt-Stil der 80er so unverwechselbar war.
Die Welt und die einzigartigen Charakter die Steve Nazar erschaffen hat sind und bleiben eine nachhaltige Kindheitserinnerung von mir und waren und sind eine wesentliche Inspiration für unsere Surfer Dudes.
(Quellen: surfer.com, hawaiimagazine.com, yewonline.com)
5. Und dann gibt es noch die Surfer Dudes.
Surfer Dudes ist 2024 erschienen – und ja, wir wissen, dass wir uns in eine lange Tradition einreihen. Was uns von den meisten dieser Comics unterscheidet: Wir erzählen nicht nur vom Surfen. Hinter den perfekten Wellen lauern Gangster, Geheimnisse und Abenteuer, die weit größer sind als unsere drei Helden erwartet haben.
SharkBite Robinson, Maddog Murphy und Piña Loca sind kein gewöhnliches Surf-Trio. Eine echte Surf-Legende, ein grummeliger Einzelgänger und eine völlig durchgedrehte Ananas — zusammen unschlagbar. Meistens zumindest.
Hol dir Band 1: Surfer Dudes: Das Gewand des Königs und urteile selbst.


